Heizperiode.

“Frierst du in Deutschland eigentlich auch immer so, oder bist du abgehärtet?” Diese Frage einer schweizer Freundin hat mich erst einmal so richtig darauf gebracht, dass es nicht an meiner persönlichen Gefühlsumstellung liegt. Ja, mir ist in der Schweiz drinnen auch wärmer.

Ich hänge ja schon lange der Theorie an, dass mehr geheizt wird, je kälter es draußen potentiell werden kann. Ich habe von Deutschen in Schweden und Russland gehört, die nur noch im T-Shirt rumliefen. Andererseits habe ich nie im Winter so furchtbar gefroren, wie in Japan, obwohl es nur um die null Grad war. Das hängt natürlich auch mit der Luftfeuchtigkeit zusammen. Aber eben auch mit der Art des Heizens und Bauens.

Als wir in unsere schweizer Wohnung eingezogen sind, kam uns das alles sehr luxuriös vor: Dichte Fenster, Fußbodenheizung. Draußen waren -14°C, und wir hatten die Heizung auf Stufe 2 (von 6 möglichen Stufen), ließen unsere Kinder barfuß in der Wohnung laufen, und Thomas hat sich die Hausschuhe abgewöhnt. Und wir fanden es auch noch lustig, dass die Empfehlung der Hausverwaltung lautete, die Heizung das ganze Jahr über auf Stufe 4 zu lassen; dann sei die Wohnung immer richtig temperiert.

Dann sind wir im April zum ersten Mal wieder nach Deutschland gefahren. Es war Frühling und wir hatten entsprechende Kleidung eingepackt. Ich habe tatsächlich gedacht, ich würde eine Erkältung ausbrüten, als ich immerzu unsere Gastgeber nach warmen Pullovern, Socken und Körnerkissen fragen musste. Und alle waren mit mir erstaunt…

Als es im vergangenen Jahr anfing, kälter zu werden, habe ich den Kindern natürlich entsprechende Kleidung angezogen. Mit dem Erfolg, dass sich Leander in der Krippe kaputt geschwitzt hat, während die Erzieherinnen im T-Shirt und barfuß in Schlappen rumliefen. Auch bei Besuchen haben wir oft furchtbar geschwitzt. Bei den Kursen war ich (bei -10°C Außentemperatur) meistens die Einzige im Wollpulli. Irgendwann haben wir uns angepasst, und es gab ein heiteres Schneehosen-Strickjacken-An-und-Aus-Spiel, das mir manchmal den letzten Nerv geraubt hat. Die Winterpullover liegen seitdem ganz hinten im Schrank…

Diese Hitze hat mich immer total schlapp gemacht, und ich habe richtig gemerkt, wie ich viel anfälliger für Erkältungen geworden bin. Zu Hause habe ich dann lieber die Heizung auf (immerhin) Stufe 3 gestellt. Das war nicht zu kalt, aber ich hatte einen freien Kopf. (Und das Gefühl, nicht so viel Energie zu verschwenden.) So weit, so gut, hätte da nicht Thomas noch ein Wörtchen mitzureden gehabt. Der wollte nämlich plötzlich zu Hause am liebsten im T-Shirt und barfuß rumlaufen und hat die Heizung immer konsequent auf 4 hochgedreht. – Da soll nochmal einer sagen, die Deutschen würden sich hier nicht richtig anpassen wollen! ;-)

Natürlich habe ich hier auch schon von älteren zugigen Gebäuden gehört. Aber alles in allem sind die meisten Schweizer, die ich getroffen habe, viel empfindlicher, was Zugluft angeht. Da wird dann auch schonmal in der Krabbelgruppe ewig eine Tür inspiziert, um zu sehen, wo der Zug herkommt…

Ich bin gespannt, wie sich das für uns noch entwickelt. Jetzt ist ja hoffentlich erstmal die Heizperiode vorbei.

2 thoughts on “Heizperiode.”

  1. Oh, dann müsst ihr nächsten Winter regelmässig bei uns verweilen! Wir wohnen in einem architektonisch wunderbaren Betonbau aus den 60- Jahren. Damit wir nicht auch noch die Umgebung mit aufheizen, verzichten wir auf grossen Heizölverbrauch (hilft auch ungemein der Geldbörse) und geniessen in dicke Wollpullover verpackt unsere Höchsttemperatur von 18 Grad C. Die Folge ist, dass wir dann Gästen abends nur Fondue oder Raclette auftischen (Heizung auf dem Tisch) und uns auswärts immer entblättern müssen. Simone

    1. Schon alleine wegen dem Essen komme ich dann unbedingt vorbei. Dann muss ich die ganzen Pullover ja doch nicht weggeben. Und es tröstet mich, dass Ihr auch diesen An-und-Aus-Terz machen müsst. Nächsten Winter kommt Ihr dann auf ein Glace zu uns, damit Thomas weiter im T-Shirt rumlaufen kann… ;-)

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