Halbiert.

Im Laufe meiner nun bald zwei Jahre Schweiz ist mir irgendwie mein Doppelname abhanden gekommen.

Ich gebe zu, dass “Lottermoser-Niedermeyer” etwas sperrig ist, und ich habe mir vor der Hochzeit lange Gedanken darüber gemacht. Aber es gibt ja nun auch andere Leute, die gut damit zurechtzukommen scheinen. – In Deutschland… Da haben sie zwar immer geschluckt, mich aber brav mündlich und schriftlich mit meinem vollen Namen angesprochen. Einfach, weil das mein Name ist.

Kaum waren wir in der Schweiz, war ich meistens nur noch “Frau Lottermoser”. Sogar auf meiner Krankenkassenkarte steht nichts anderes. Es gibt noch nicht einmal den Versuch, den zweiten Namen wenigstens abzukürzen.

Was mich am meisten stört, sind Dialoge, wie dieser:

“Wie heißen Sie?” “Lottermoser-Niedermeyer.” (Lachen.) “Neinnein, ich meine, wie ist Ihr FAMILIENNAME.” “Der Name meiner Kinder und meines Mannes ist Lottermoser und meiner ist Lottermoser-Niedermeyer.” (Lachen.) “Also Lottermoser.” Zack.

Alternative von besser bekannten Menschen: (Lachen.) “Und in Deutschland haben Dich echt alle mit Lottermoser-Niedermeyer angesprochen?” – Nein, manche haben “Gunda” gesagt…

Gäbe es in der Schweiz nicht die Möglichkeit, einen Doppelnamen zu wählen, würde ich diese Reaktionen vielleicht besser nachvollziehen können. (Wenn auch nicht das obligatorische Lachen.) Aber die Frau Bundesrätin Widmer-Schlumpf ( http://de.wikipedia.org/wiki/Eveline_Widmer-Schlumpf ) wird garantiert nie eines ihrer Namen beraubt. Meine Hausärztin hat auch einen Doppelnamen. Bei Überweisungen hat sie dann plötzlich auch nur noch einen…

Wikipedia sagt mir dazu, dass der “Allianzname” in der Schweiz “kein amtlicher Name” ist. ( http://de.wikipedia.org/wiki/Allianzname ) Tatsächlich behalten bei der Eheschließung beide Partner ihren “Ledignamen”, wenn sie nichts anderes wollen. Wenn man einen gemeinsamen Familiennamen möchte, muss man das offenbar ankündigen. Trotzdem wählen wohl immernoch die meisten Frauen den Namen ihres Mannes.

So schnell kann es also gehen. Da macht man sich in seinem Heimatland lange Gedanken über das Für und Wider des eigenen Namens und dann, schwupps, wird die Hälfte einfach ausradiert, wenn man nur mal über die Grenze umzieht.

Wie ich es drehe und wende: Irgendwie kommt immerwieder dieses Gefühl auf, dass meine Identität mit dem Namen halbiert wurde.

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