Category Archives: Erste Eindrücke

Bank.

Heute hatte ich die bisher skurrilste Bankberatung meines Lebens. Zumindest, was die “Location” anging…
Ich wollte ein Unterkonto eines bestehenden Kontos eröffnen. (Wir sind bei der Postbank.) Eigentlich keine große Sache. Dazu bin ich in eine Post-Filiale gegangen. Die Dame hatte grad niemanden, wie sie sagte, “von den Profis” da und hat mir deshalb online einen Termin bei meiner nächsten Filiale ausgemacht. Als ich den Lageplan in der Hand hatte dachte ich: “Komisch, da bin ich doch ständig. Warum weiß ich von dieser Filiale nichts?” Tatsächlich komme ich da ungefähr einmal in der Woche vorbei. Als ich davor stand, wusste ich, warum mir das nie aufgefallen war. Es war ein unscheinbares Bürohaus in einer Seitenstraße. Unten war ein Schild an der Tür, dass es nur Termine nach Vereinbarung gibt. Hatte ich ja. Also habe ich an einem der vielen Knöpfe geklingelt. Ein Herr antwortete mir per Gegensprechanlage. Ich habe brav geantwortet und wurde reingelassen. Dann bin ich mit dem Fahrstuhl in den zweiten Stock gefahren. Dort hat mich der Kundenberater per Handschlag in einem Zwei-Büro-Filialdings empfangen. Außer uns gab es nur noch einen Empfangsmenschen, der im Wesentlichen für Getränke zuständig zu sein schien. Ein bischen war ich die ganze Zeit darauf gefasst, dass gleich der Geist von Kurt Felix erscheint und “Verstehen sie Spaß?” haucht. Die Situation wäre passend gewesen. Ich war fast enttäuscht, dass es dann doch nur ein ganz normales Gespräch war. Nebenbei habe ich von dem Berater auch noch erfahren, dass die meisten Deutschen ungefähr ein Jahr brauchen, um finanziell in der Schweiz “anzukommen” und dass statistisch gesehen die meisten Schweizer in der ersten Jahreshälfte eher Geld sparen und in der zweiten eher welches ausgeben.

Kinderarzt.

Ich fasse es nicht!
Es gibt tatsächlich in Zürich einfach nicht genug Kinderärzte für alle Kinder. Ich habe jetzt mal eine Sprechstundenhilfe gefragt, was man dann macht, wenn mal was mit dem Kind sein sollte. “Es gibt am Hauptbahnhof eine Notfallpraxis für Kinder. Klar, das ist nicht ideal…”
Also werde ich jetzt weiter Klinken putzen gehen. Das trübt mein Bild von der kundenfreundlichen Schweiz mit top medizinischer Versorgung doch schon sehr… Und die Zeit drängt. – Für Valentin steht eine Kontrolluntersuchung an.

http://www.sonntagonline.ch/mobile.php?type=news&id=1949

Die Deutsche.

…ist der Deutschen eine Wölfin.

Viele in der Schweiz lebende Deutsche machen durchaus einen Unterschied in ihrer Kommunikation mit Deutschen oder mit Schweizern. Mir ist diese Einstellung ziemlich fremd. Eigentlich ist sie im Grunde genommen auch rassistisch. Natürlich  kommuniziere ich mit Schweizern auch anders. Aber hierbei geht es dann eher um Sprache und den Respekt vor kulturellen Unterschieden. Nicht darum, sich mit irgendwem zu solidarisieren oder andere außen vor zu lassen. Ich trete auch eher in Kontakt zu Menschen, weil sie mir z.B. sympathisch sind. Nicht, weil sie irgendwo her kommen.
In Japan habe ich das, was uns dort passiert ist, oft als “positiven Rassismus” bezeichnet. – Haben wir uns als Deutsche geoutet, waren wir schonmal per se interessant.

Ich habe hier schon diverse Mütter getroffen. Manchmal ergibt es sich, dass man kurz ins Gespräch kommt. Weil die Kinder miteinander spielen (oder aneinander geraten), weil man nebeneinander im Bus steht oder weil man zufällig gerade den gleichen Artikel kaufen will usw. usw.
Schweizer Mütter sind etwas zurückhaltender, wenn sie merken, dass ich Deutsche bin. Ich weiß nicht, ob es an der Sprache liegt oder am wirklich schrecklichen Auftreten vieler Deutscher hier. Oder vielleicht ist es einfach nur die zurückhaltende Art hier.
Treffe ich aber auf eine deutsche Mutter, die mit einer Schweizerin unterwegs ist, werde ich knapp gehalten oder sogar ignoriert. Ich habe immer den Eindruck, dass diese Deutschen SO stolz auf ihre schweizer Kontakte sind, dass sie mich als Bedrohung betrachten. Ich ziehe mir ja nicht so oft jeden Schuh an, der mir hingestellt wird. Aber das ist jetzt schon derart häufig passiert, dass ich ins Grübeln gekommen bin…

Alter Hut.

Ich habe schon immer gerne Second Hand gekauft. Nicht nur, weil man vielleicht Geld sparen könnte, sondern auch oft um dem modischen Einerlei der Geschäfte zu entfliehen.
Um zu wissen, wo man hin will, braucht es einen langen Prozess mit Rumstreifen und ausprobieren. In Bonn wusste ich, wofür ich wo hin will. Das muss in Zürich erst wachsen. Dazu muss man auch wissen, wonach man sucht. “Brockenstube” heißen die Kaufhäuser oder Läden, die für Kindersachen “Kinderartikelbörse”. Gut, dass ich schnell wusste, wonach ich suchen muss. Jetzt bin ich gespannt auf meine Entdeckungstouren.

Spielgruppe.

Spielgruppen gibt es hier ohne Eltern, so quasi als Vorkindergarten. Leander hatte da echt einen blöden Start: Nach der Eingewöhnung waren wir erstmal eine Weile in Deutschland und mussten dann wieder von vorne anfangen. Und dann kamen zwei Wochen Ferien. Dafür hat er das heute total super gemacht. Die Erzieherin musste mich noch nichtmal anrufen, damit ich ihn abholen komme. Und was zum Muttertag haben sie auch gebastelt. Er war hinterher rundum stolz. Ich habe ihn auch gefragt, ob sie ein Buch vorgelesen bekommen hätten. Da hat er gesagt: “Ja. Aber ich versteh die so schlecht.” – Wird schon noch werden… ;-)

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