Category Archives: Informationen

Kindergarten.

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Jedes Kind musste für den Kindergarten ein Bild malen und ein Foto mitbringen.

War schon gut, dass wir extra unseren Urlaub verschoben haben, denn der Besuchertag war so halb-verpflichtend und für Leander auch gut zur Eingewöhnung. Valentin war auch begeistert. Es gab Lieder und eine gespielte Geschichte, Malen, freies Spielen, und zum Schluss wurde noch gezeigt, wo das Klo ist. Leanders Kindergärtnerin ist super nett.

Für den Weg zum Kindergarten, den Leander offiziell bald alleine gehen soll, hat er (wie alle Kinder) ein “Chindsgi-Bändel” bekommen, das seine Sicherheit auf der Straße unterstützen soll. Auf der Rückseite steht sein Name und ist “sein” Bild. Ein rotes Auto, das auch an seinem Kleiderhaken, seinem Stuhl und seiner Schublade ist. (Zu Hause hat er damit erstmal Verkehrspolizist gespielt.)

Wir sind gespannt, wie das nach den Sommerferien so wird…

Bezahlbildung.

Um es vorweg zu sagen: Ich glaube, dass man in der Schweiz sehr gute Bildung bekommt. Auch in staatlichen Institutionen. Da können sich deutsche Schulen manchmal wirklich ein Beispiel dran nehmen. Und nicht umsonst sind Schweizer Privatinternate weltweit von hochrangigen Persönlichkeiten zur Ausbildung des Nachwuchses gefragt. Und abseits davon?

Heute ist mir dieser Artikel über den Weg gelaufen: http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/-Die-Falschen-machen-die-Matur/story/19517832 Er beschreibt unter anderem die Tendenz, die eigenen Kinder für die Aufnahmeprüfung am Gymnasium teuer coachen zu lassen, wodurch die Kinder betuchter Eltern größere Chancen auf die Aufnahme am Gymnasium haben.

Da ist sie wieder; diese Ungleichheit der Chancen, die mir hier immerwieder auffällt. Hohe Studiengebühren, horrende Schulgelder für Privatschulen, Coaching und Nachhilfe für Kinder und Jugendliche, teure Musikschule und andere Freizeitaktivitäten. Und immerwieder dieses zweifelnde Fragen von Eltern, ob denn der staatliche Kurs überhaupt gut sein kann, weil der ja so preiswert ist. Qualität muss wohl teuer sein…

Und was machen kluge Kinder, die keine reichen Eltern haben? Die machen halt irgendwas anderes. Muss ja nicht immer das Abitur (die Matur) sein. Da sind sie dann zwar vielleicht unterfordert oder sonst irgendwie nicht richtig oder unzufrieden; dafür kann man sich dann super mit dem Fahrkartenverkäufer über die Relativitätstheorie austauschen. Oder: Die Eltern arbeiten sich krumm, damit das Kind bessere Chancen hat; dafür gibt es dann aber natürlich weniger Zeit für die Familie und gestresste Eltern.

Letztlich kann da ein ganz unguter Teufelskreis entstehen: Wenn die Eltern schon keine reichen Eltern hatten und dadurch einen finanziell schlechter gestellten Job, können natürlich deren Kinder auch nicht so weit kommen und deren Kinder dann auch wieder nicht. Heißt das jetzt, dass die Reichen die Intelligenteren sind? – Doch wohl hoffentlich nicht!

Damit das jetzt keiner falsch versteht: In Deutschland gibt es diese Prüfungen nicht; nur ein halbes Jahr Probezeit. Ich habe schon während meiner eigenen Schulzeit das Gefühl gehabt, dass es einfach zum “guten Ton” gehört, auf das Gymnasium zu gehen und dass das Abitur inflationär war. Ebenso ein Studienabschluss. Daran kann man das andere Ende der Chancengleichheit sehen.

Natürlich gibt es in der Schweiz immer die, die es “trotzdem” schaffen. Die, die ganz oben sitzen und ihre Wurzeln nicht vergessen haben. Aber alleine die Tatsache, dass man das immer mit einem “trotzdem” betonen muss, gibt mir zu denken.

Was ich neben all dem an der Schweiz sehr schätze, ist die weite Verbreitung des Sponsorentums. Es scheint sehr viele Leute zu geben, die das Gefühl haben, genug für sich und ihr Leben zu haben und deshalb etwas abgeben können. (Natürlich nicht ohne die Erwartung, in Ehren und Würden gehalten zu werden.) Wenn man es also “trotzdem” schafft, dann vielleicht manchmal, weil man zufällig im richtigen Moment auf eine passende Stiftung gestoßen ist und diese dann auch noch vom eigenen Können oder irgendwelchen anderen Notwendigkeiten überzeugen konnte.

Ich werde also versuchen, für unsere Familie immerwieder neu einen Mittelweg zu basteln, damit meine Kinder es “trotzdem” schaffen können, die Bildung zu bekommen, die ihnen gerecht wird. Vielleicht muss ich mich dabei krumm arbeiten, vielleicht muss ich betteln gehen. Aber der Beigeschmack der Ungerechtigkeit wird bleiben. Wenn nicht für meine eigenen Kinder, dann für andere.

Smalltalkfalle.

Wer mich kennt, weiß, dass ich ein offener und kommunikativer Mensch bin.

Damit war ich im Rheinland gut aufgehoben. In der Schweiz eher weniger. Natürlich habe ich auch hier Menschen gefunden, die meine Art schätzen und die ich auf eben diese Weise (über Smalltalk) kennengelernt habe. Ich habe auch schon das ein oder andere Wort mit völlig Unbekannten gewechselt. Und trotzdem empfinde ich das hier als Seltenheit. Auch anderen Ausländern geht das hier so, wie ich oft höre.

Einen Unterschied wie er deutlicher nicht sein kann, zeigen die Friseurbesuche auf. (Was ja hier Coiffeur heißt.) Während in Deutschland spaßeshalber immer der Spruch kursiert “Das kannst du ja dann deinem Friseur erzählen.” und tatsächlich die Leute manchmal brisante Details aus ihrem Leben auspacken, ist es bei unserem Coiffeur still. Alle Versuche, mit meiner Coiffeuse ins Gespräch zu kommen, sind bisher nach drei Sätzen gescheitert. (Was jetzt für mich kein Drama ist. Nur merkwürdig.)

Jedenfalls bin ich froh über die, die mich als “direkte Labertasche” mögen und nehmen, wie ich bin. Und die auch selber lange reden können. Und die gibt es zum Glück auch in der Schweiz.