Tag Archives: preise

Kohle

Als wir vor einem Jahr nach Zürich kamen, gehörten die Preise hier in Zürich wohl zu dem, was um am meisten beeindruckte und auch verunsicherte. Klar, die Gehälter sind ebenfalls deutlich höher, aber eben nicht so hoch, dass man bei Mietpreisen von 2000 Euro für eine normale, familienfreundliche Wohnung, nicht doch zurückschreckt. Wenn man dann zum ersten mal in den Coop oder Migros geht, wird es einem auch nicht wohler. Und so geht es dann weiter, 15 Euro für eine Pizza beim Lieferservice, eine Kinokarte koste auch nochmal soviel, halber Tag Kita kostet mal locker 2000 Euro pro Monat und Kind, die Krankenkasse hat auch nichts zu verschenken und was der Zahnarzt kostet, sagt einem erst gar keiner, da wird nur vielsagend geschwiegen. Aber OK, Konstanz ist ja nicht weit…

Und jetzt, nach einem Jahr? Nun ja, man gewöhnt sich langsam dran. Miete und Kitapreise beeindrucken zwar immer noch, auf die Pizza frei Haus verzichten wir eben, aber letztlich kann man sich dann eben doch nicht beschweren und was man an Ausgaben hat, entspricht dann eigentlich doch dem, was man verdient. Es ist eben vor allem ganz anders gewichtet als in Deutschland. Denn, ja, vieles ist eben auch billiger (oder besser preiswerter, wie man hier sagt). Z.B. der Strom, da zahlen wir weit weniger als die Hälfte von dem, was wir vorher in Deutschland bezahlt haben. Andere Dinge kosten in etwa das Gleiche, wie in Deutschland, und sind somit im Verhältnis zum Einkommen, eigentlich recht günstig, Elektroartikel etwa. Unseren neuen Fernseher hätten wir uns in Deutschland nicht leisten können. Und dank Aldi ist unser Haushaltsgeldbudget gar nicht soviel höher als in Deutschland. Kann man dann ab und zu noch in Deutschland einkaufen, hilft das auch nochmal ein gutes Stück weiter.

Zwar haben wir nun für uns einen Weg gefunden, mit den Kosten hier klar zu kommen, aber auf der anderen Seite zeigt unsere Lösung auch, dass wir noch nicht wirklich hier angekommen sind. Denn irgendwie haben wir doch das Gefühl, dass wir noch nicht wirklich die gleiche Einstellung zu den Preisen gefunden haben, wie die Schweizer selbst. Denn während wir fleissig beim Discounter einkaufen, macht das die Masse der Leute hier nicht wirklich. Was hab ich es als Kind immer gehasst zu Aldi zu gehen. Die ewig langen Schlangen an der Kasse, die Leute mit ihren fürchterlich übervollen Einkaufswagen. Schrecklich… Und hier? Es gibt kaum was entspannenderes , als bei Aldi einkaufen zu gehen. Denn da ist es immer so schön leer… Oder bei Denner, dem Migros Discounter. Letzten Freitag z.B. im Einkaufszentrum in Oerlikon. Beim Migros oben etwa sechs Kassen mit je drei Kunden, unten beim Denner eine Kasse mit  zwei Kunden…

Und wenn Denner auch eigentlich Migros ist und auf allen Produkten auch das Schweizer Fähnchen mit der “Suisse Garantie” drauf klebt, Denner ist eben billig und billig ist hier nun einmal nicht gut. Das hat man mir gleich am Anfang an der ETH klar gemacht: “Wir kaufen hier preisgünstige Qualität, billig gibt es im Media Markt”. Und so erinnern mich Aldi & Co. auch immer ein bisschen an Treffpunkte für Ausländer, was auch an unserer Wohngegend liegen mag, aber sicher nicht nur. Und umgekehrt ist es sicher auch kein Wunder, dass es dann eben ausgerechnet bei uns in der Nähe einen Aldi gibt…

Ganz allgemein hat man schon den Eindruck, dass Preise hier nicht so die Rolle spielen und im Zweifel man lieber nach Qualität (oder sollte man besser sagen Marken?) schaut. Und man gönnt sich mehr, jedenfalls gehen hier die 15 Euro-Pizza-Lieferanten nicht reihenweise pleite und der Zimt-Zucker-Crêpes für 4 Euro an der ETH verkauft sich auch gut, und es ist auch kein Problem, einmal Fritten mit Ketchup für 6 Euro an den Mann oder die Frau zu bringen und auf der anderen Seite des Preisspektrums muss Apple sich hier sicher auch keine Sorgen um seine Absätze des iPhones machen und so viele Leicas wie hier in Zürich, habe ich zuvor in meinem ganzen Leben insgesamt noch nicht gesehen.

Manchmal frage ich mich ja schon, wie ich da so rein passe. Aber vielleicht gewöhnt man sich ja daran…

 

2012-05-03 19.41.10

Gestern im Kino

Drei Monate sind ja doch erst eine kurze Zeit, und so gibt immer wieder Dinge, die man hier in der Schweiz zum ersten Mal macht (auch wenn ich schon langsam ein vertrautes Gefühl habe und es mir vorkommt, als wären wir schon viel länger hier…). Und so war ich gestern zum ersten Mal im Kino.

Genauer im Corso, kein Multiplex, aber auch kein Schuhkarton. Eigentlich ganz nett gelegen, im Süden der Altstadt, nahe dem See (und nahe einem Bahnhof mit Direktzug nach Affoltern, wie ich nach dem Film festgestellt habe). Bei uns in der Gegend habe ich leider kein Kino gefunden (ausser einem Sexkino in Oerlikon, aber das habe ich mir dann mal geschenkt…). Find ich ein bisschen seltsam, dass das so sehr auf die Innenstadt fokussiert ist, schliesslich leben ja doch ziemlich viele Leute bei uns in der Gegend. Kann mir nicht vorstellen, dass man in Oerlikon kein Multiplex rentabel betreiben könnte.

Angesehen habe ich mir die Avengers. Kein grosses Kunstwerk, aber sehr unterhaltsam und wenn man Marvel Comicverfilmungen mag, ein Hit. Wird bestimmt sehr erfolgreich sein. Aber das ist hier jetzt ja nicht das Thema, ist ja kein Filmkritikblog, sondern hier geht’s ja um die Schweiz und unsere Eindrücke vom Leben hier.

Und wie so oft, ist das erste, was einem hier an einer Sache auffällt, der Preis… 24 Franken hat mich der Spass gekostet (3 davon allerdings für die 3D-Brille, was schön blöd ist, da wir so Dinger noch gehabt hätten…). Kann man da den Film noch geniessen? Man kann… Und wenn man sich vom ersten Schock erholt hat, und ein bisschen rechnet, dann ist der Preis eigentlich gar nicht so hoch. 24 Franken sind 20 Euro, und wie ein Blick ins Netz verrät, hätte mich der Spass in Bonn auch 12 Euro gekostet und legt man jetzt nicht den Wechselkurs sondern das Verhältnis der Einkommen zu Grunde (und rechnet die unnötige Brille raus), war das gestern geradezu ein Schnäppchen ;-) Trotzdem, 24 Franken ist einfach ein Betrag, da kommt der Kopf noch nicht ganz mit, da ist so eine psychologische Sperre, die es erstmal zu überwinden gilt. Wahrscheinlich ändert sich das mal, aber im Moment…

Was noch? Untertitel in 3D geht ja mal gar nicht, und dann noch zweisprachig (deutsch/französisch). Ich mag diesen 3D Kram ja eh schon nicht, da es nie wirklich überzeugend ist, wenn dann aber auch noch riesige Untertitel vor meinen Augen durch den Raum schweben, ist es vorbei. So abgelenkt haben mich Untertitel noch nie. Ich finde es ja gut, dass der Anteil an Filmen in Originalsprache so hoch ist, aber wenn das dann immer untertitelt ist, gehe ich zukünftig vielleicht doch in die synchronisierten Fassungen. So war es jedenfalls Käse…

Dann gab es noch eine Pause, warum auch immer bei einem 134 Minuten Film. Ich fand es unnötig. Sonst war eigentlich alles wie gewohnt. Beim nächsten Mal muss ich mehr auf die Werbung achten (hab ich gewohnheitsmässig ignoriert), schien mir etwas regionaler zu sein, als ich es in einem Kino dieser Grösse erwartet hätte.

Fazit, ich werde wohl noch öfter ins Kino gehen, aber am Preis muss sich noch was ändern. Ich denke, ich werde mir eine dieser Kinobonuskarten kaufen, die überall beworben werden. Wenn ich das richtig sehe, zahl man da pro Jahr 20 Franken und kann dann für 13 Franken ins Kino. D.h. nach drei Filmen hat man die Kosten wieder raus (ist dann allerdings auf eine bestimmte Kinokette festgelegt). Das rechnet sich sicher…

IMG_5855 - Sophia,Orange,Print

Vorgestern bei IKEA

Vorgestern waren wir also bei IKEA und das ist jetzt natürlich eigentlich nicht wirklich etwas bemerkenswertes, sondern ganz normaler Alltag. Aber gerade deswegen ist es einen Eintrag hier Blog wert. Denn diese Alltäglichkeit macht den grossen Unterschied zwischen unserem ersten langen Aufenthalt in Japan und dem jetzigen in der Schweiz aus. Damals in Japan waren wir auch einmal bei IKEA (Link: Schweden in Japan) und es war schon ein ziemlicher Event und nicht nur, weil es kurz nach der Eröffnung der damals einzigen IKEA Filiale in Japan war. Nein, in Japan haben wir damals fast alles als irgendeine Art von Event angesehen. Und wenn es auch nur darum ging, Köttbullar bei IKEA mit Stäbchen zu essen… Das war damals ein Tagesausflug, irgendwo in die Provinz Chiba (wie kommt man dahin?), die Kamera war dabei, wir haben viel beobachtet und diskutiert, wie IKEA bei den Japanern ankommt, wie verhalten sich die Leute dort, was ist anders, usw… Und Samstag? Na ja, nicht viel anders als IKEA Köln. Etwa gleich weit und umständlich zu erreichen, die Leute um einen herum sprechen etwas anders, hier und da ein kleiner Unterschied (das Angebot im Restaurant war schlechter), ein paar Fragen (gilt die deutsche Familykarte hier auch?), aber das wäre fast genauso in jeder deutschen IKEA Filiale gewesen, in der man zum ersten mal ist.

Aber das ist es eben, nach gut einem Monat sind wir schon ziemlich mitten im Alltag angekommen, denn dazu sind Deutschland und die Schweiz dann doch zu wenig verschieden, vor allem wenn man mal für lange Zeit wirklich ganz woanders war, als das man dieses permanente Abenteuergefühl und dieses steige Staunen hat.

Aber natürlich ist die Schweiz anders, als Deutschland und Zürich anders als Bonn, aber es ist alles subtiler, man kann es leichter übersehen. Es sind die Details, auf die man achten muss. Und was brachte in dieser Hinsicht nun der Besuch bei IKEA? Was konnte man typisches über die Schweiz lernen? Vielleicht folgendes, was mir zu mindestens schon mehrfach auch an anderer Stelle aufgefallen ist, die Preise. Einkaufen bei IKEA ist in der Schweiz nämlich wirklich sehr günstig. Die Preise sind im Mittel fast identisch zu denen in Deutschland, beachtet man aber, das der Schweizer deutlich mehr verdient im Schnitt, sind die Sachen dort eigentlich ziemlich billig! Was dann aber wieder (nach deutschen Massstäben) unglaublich teuer ist, ist der Lieferservice. Mindestens 99 Franken kostet der Spass!

Wie gesagt, das scheint mir sehr typisch zu sein. Toller Service, aber oft kaum zu bezahlen, während Dinge wie Möbel, Elektrogeräte, Kleidung etc. im Verhältnis zum Einkommen deutlich günstiger sind. Und das merkt man schon auf der Strasse, wenn man sieht, was die Leute so z.B. an mobilen Elektrospielzeug mit sich herumschleppen…

Also doch was gelernt beim IKEA Besuch… ;-)

Das Zahnzusatzversicherungsdilemma

Über Zahnarztkosten in der Schweiz hört man ja nur Horrorgeschichten. Da scheint es günstiger zu sein, nach Deutschland zu fahren und dort alles selber zu bezahlen, als sich in der Schweiz behandeln zu lassen. Nun gestern wurde uns das auch bestätigt. Wir hatten zwecks Abschluss einer Schweizer Krankenversicherung einen Versicherungsvertreter zu Besuch und der hat uns erklärt, warum praktisch niemand in der Schweiz eine Zahnzusatzversicherung hat. Es ist quasi eine No-Win-Situation:

  • Fall 1: Ich habe schlechte Zähne und würde Behandlungen und damit auch eine Versicherung benötigen. Nun, in dem Fall wird man erst gar nicht versichert, denn das lohnt sich für die Versicherung natürlich nicht.
  • Fall 2: Ich habe gute Zähne und benötige keine Behandlungen. In dem Fall ist es Quatsch, sich versichern zu lassen, da die Versicherung so teuer ist, dass man lieber etwas Geld an die Seite legt, wenn man dann doch mal eine Behandlung braucht. Und zahlt dann lieber alles selbst (am besten in Deutschland…).

Und da rege sich jemand in Deutschland über hohe Arztkosten auf… Im Prinzip ist das System ja nicht schlecht, denn es erzieht wahrscheinlich die Leute schon dazu, sich mehr um ihre Gesundheit zu kümmern, als so ein Rundumsorglospaket, wie es das zumindest früher mal in Deutschland gab. Nur haben ich das ungute Gefühl, dass das Schweizer System nicht unbedingt nur darauf angelegt ist, die systembedingten und von der Gesamtgesellschaft zu tragenden Gesundheitskosten niedrig zu halten, sondern vor allem auch das private Einkommen der (Zahn-)ärzte. Denn wenn keine Kasse oder andere Dritte zum Beispiel in der Zahnbehandlung involviert sind, wer bekommt denn dann die tausenden von Franken, die diese Behandlung kostet…? Nicht umsonst wird man ja deutsche Ärzte in die Schweiz abwerben und dabei vor allem auf die hohen Einkommensmöglichkeiten in der Schweiz hinweisen…